Presseartikel

2001
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    Spanischer Autor las bei erstem Besuch in Deutschland auch in Bad Berleburg
    Fajardos ständige Suche nach Freiheit eingebunden in die Fiktion der Romane
    Westfälische Rundschau, 17. November 2001

    Bad Berleburg. (lpd) Intoleranz und die Suche nach Freiheit sind die bestimmenden Themen der Romane von José Manuel Fajardo. Der spanische Autor las jetzt bei seinem ersten Deutschland-Besuch in der Bad Berleburger Galerie Gerhard.
    Fajardos Leidenschaft ist die Geschichte. In ihr findet er Hintergründe für seine Erzählungen. Auch wenn Jahrhunderte und Schauplätze seiner Romane wechseln, die Themen bleiben die gleichen - eben weil auch die Probleme gleich geblieben seien, meint Fajardo.
    Rassismus, Intoleranz, Dummheit, Freiheit, persönliches Glück und natürlich Liebe vermischt der ehemalige Kultur-Journalist zu dichten Historien-Romanen, die mehr als bloßer Lesestoff oder Transportmittel für seine Gesellschaftskritik sind.
    "Ein Buch sollte nicht eindimensional sein. Es sollte mehrere Lesarten möglich machen." Der Wahl-Pariser Fajardo will nicht allein Bücher schreiben, die die Zeit vertreiben. Der 54-Jährige will zum Nachdenken anregen, vielleicht auch etwas verändern, Menschen wachrütteln: "Wir Autoren dürfen laut reden. Das ist ein Privileg aber auch eine Verpflichtung, weil man uns zuhört."
    In der Galerie Gerhard las Fajardo aus seinen beiden ersten Werken, die bereits auf deutsch erschienen sind und stellte sein neuestes Buch vor. In seinem 1996 erschienenen Erstling "Brief vom anderen Ende der Welt" führt er die Leser in das Zeitalter der Entdeckung Amerikas. Kolumbus hatte eine Gruppe von Seeleuten auf Haiti zurückgelassen. Fajardo beschreibt wie die 40-köpfige Gruppe zunächst von der Schönheit der Natur und der Freundlichkeit der Ureinwohner überwältigt ist. Doch bald erwacht in ihnen die Gier nach Reichtum und Macht. Die Gruppe spaltet sich, bekriegt sich und die Indianer. Am Ende überlebt niemand. Nur ein Brief erzählt, was geschehen ist. "Wie sie wissen, haben wir Spanier ein Talent dazu, überall wo wir hinkommen, Bürgerkriege anzuzetteln", meint Fajardo.
    Sein zweiter 1998 erschienener Roman "Der Korsar" erzählt die Geschichte eines jüdischen Konvertiten und eines verstoßenen englischen Weltenbummlers. Beide suchen Freiheit, Wohlstand, Ansehen, Liebe und nicht zuletzt ihre Heimat. Dort will sie keiner. Erst unter den zusammengewürfelten Haufen von Piraten finden sie das Gesuchte. Einzig in der Liebe gibt es kein Happy-End, denn beide verzehren sich nach der gleichen Frau.
    Der Schmelztigel der Kulturen in den Piratenrepubliken Marokkos und Tortugas inspirierten Fajardo. Aus seiner Sicht gebe es keine reine Kultur. Gerade Spaniens kulturelle Vielfalt sei von Christen, Muslimen und Juden geprägt: "Wir sind alle Ergebnisse tausendjähriger kultureller Mischungen. Man kann sagen, wir sind alle Mestizen."
    Sein neuestes Werk "Una bella convulsa" (Eine unterdrückte Schönheit / die Red.), erzählt von einem entführten Journalisten, der von der baskischen Terrororganisation ETA gefoltert wird. Darin verarbeitet Fajardo den Tod eines Freundes, den die ETA ermordet hat und mischt auch eigene Ängste hinein. Fajardo wird bedroht. "Im Baskenland herrscht eine Diktatur aus Gewalt und Angst, eine Spielart des Nationalsozialismus, deshalb bin ich gegangen", begründet Fajardo seinen Weggang. Exil will er es nicht nennen.
    Westfälische Rundschau

    Romane aus dem Herzen der Geschichte
    Bei der nächsten Lesung wird auch gekocht
    Westfalenpost, 17. November 2001

    Bad Berleburg. (vic) "Es ist bekannt, dass Spanier einigermaßen unfähig in Sachen Sprachen sind", entschuldigte sich José Manuel Fajardo zu Beginn seiner Lesung in der Galerie Gerhard am Mittwoch. Es folgten Kostproben aus seinen drei Büchern, die von der aus Frankfurt angereisten Professorin Dr. Ray Güde-Mertin übersetzt wurden.
    "Im Herzen der Geschichte liegen Romane verborgen", leitete der geschichtsinteressierte Schriftsteller die Passage aus seinem ersten Buch "Brief vom Ende der Welt" ein. Es handelt sich dabei um einen geschichtlich orientierten Abenteuerroman, der in der Zeit des Christoph Kolumbus spielt.
    Für seinen zweiten, ebenfalls historischen Roman, dessen Handlung sich 1622 abspielt, fuhr José Manuel Fajardo extra zu zwei der Schauplätze, um sie in seinem Roman so real wie möglich beschreiben zu können. Trotz der Mühen sagt der Autor selbst von seinem Buch: "Es ist ein Lügenroman. Das ist jeder Roman, der durch seine Unwahrheit die Wahrheit zu bezeichnen hofft."
    In seinem dritten Buch, dessen Titel bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, im Französischen jedoch "Der Teufel vor meiner Tür" heißt, weicht José Manuel Fajardo völlig von seinen bisherigen Themen ab. Der Roman spielt im Hier und Heute und es geht um die Entführung eines spanischen Journalisten durch die ETA.
    Die Veranlassung zu diesem Roman gab dem Autor der Tod vieler Freunde, die von der ETA ermordet wurden. Viele seiner Freunde, die meisten Kollegen aus seiner Zeit als Kulturjournalist, stehen auch heute noch auf der Todesliste. "Wir Autoren haben das Privileg, dass man uns zuhört", sagte der Schriftsteller und nutzte somit die Gelegenheit, sein Buch nicht nur Freunden, sondern auch Feinden zu widmen.
    Von den unterschiedlichen Themen abgesehen geht es in allen drei Romanen von José Manuel Fajardo um zwei Probleme, die die Menschheit seit Ewigkeiten beschäftigen: zum einen um Intoleranz und Freiheit und zum anderen um das "Gerede über Identität". Der Autor versucht zu verdeutlichen, dass keine reine Identität existieren kann, da jedes Volk ein Ergebnis 1000-jähriger Mischung von Kulturen ist. So widerlegen auch seine Romanfiguren die Vorstellung einer fest vorgelegten Identität.
    Jeder von José Manuel Fajardos Romanen enthält etwas Autobiographisches. Der Autor verbrachte lange Zeit im Baskenland, das er aus Angst vor dem Terror verlassen musste.
    Der ehemalige Geschichtsstudent wurde auf Grund seiner kommunistischen Einstellung von der Universität geworfen und begann danach ein Jurastudium. Doch schnell stellte er fest, "dass man lieber alles andere wird". So ging er über zum Kulturjournalismus. Vor einiger Zeit übernahm er die Kolumne eines von Terroristen ermordeten Freundes und zog aus Angst vor Anschlägen nach Paris. Seit drei Jahren lebt er vom Honorar für seine Bücher.
    Drei Lesungen hat der Schriftsteller noch auf seiner ersten Tour durch Deutschland. Doch die Wittgensteiner Literaturfreunde können ihn schon bald wiedersehen. Nachdem Gerd Gerhard das nächste Jahr anstehende Jubiläum ankündigte, das unter dem Titel "Zehn Jahre Lesung" laufen soll, sagte José Manuel Fajardo sein Kommen bereits fest zu. Außerdem versprach er zu kochen. Eine Lesung also, auf die Literaturbegeisterte und Gourmants gespannt sein können.
    Westfalenpost

    Ein gelungenes Debüt in Frankfurt
    Galerist Gerd Gerhard mit eigenem Stand auf der Buchmesse
    Werke von Mária Lugossy

    Siegener Zeitung, 16. Oktober 2001

    Bad Berleburg/Frankfurt. (vö) Frankfurter Buchmesse, Halle 4.1, Literatur und Kunstbuch, Standnummer R 571: Während es in der mit Sachbüchern, Romanen und Kinderliteratur gut bestückten Messehalle 3 überaus hektisch zugeht, wahre Besuchermassen durch die Gänge geschoben werden, ist dies die ruhigere Variante. "Die Leute, die hier vorbei kommen, tuen dies ganz gezielt, wissen genau, wofür sie sich interessieren. Das ist letztlich das Publikum, worauf ich mich konzentrieren sollte", erläutert Gerd Gerhard im Gespräch mit der SZ.

    "Habe die richtige Wahl getroffen"

    Der Bad Berleburger Galerist ist erstmalig mit einem eigenen Stand in der Mainmetropole vertreten. "Ich wollte mich zwischen Buchmesse und Kunstmesse entscheiden. Ich denke ich habe hiermit die richtige Wahl getroffen", zieht der Wittgensteiner eine positive Bilanz der Messetage in Frankfurt. Hier ein Gespräch mit einem koreanischen Verleger, dort ein wertvoller Kontakt zu einem amerikanischen Professor und nicht zuletzt ein eher zufälliges Gespräch mit einem Besucher aus dem Siegerland, "der ein Freund brasilianischer Kunst ist und in Kürze einmal in Bad Berleburg vorbei schauen möchte".

    Skulpturen aus Glas, Bronze und Stein

    Anknüfend an die Buchmesse 1999 mit dem Schwerpunktland Ungarn, präsentiert Gerd Gerhard in der Messehalle 4.1 "Historische Bücher" der Budapester Künstlerin Mária Lugossy. Eine Serie mit aufwendigen und interessant gestalteten Skulpturen aus Glas, Bronze und Stein. "Ich weine und arbeite für Sklaven und Gladiatoren, für zerstörte Hoffnungen und für Gefangene in Lagern und Gulags, für zahllose, namenlose Erschlagene in Massengräbern. Es kann nicht genug über sie gesagt werden, deshalb bin ich sicher, dass ich ihre Bücher zeigen muss, hier und jetzt", wird die Ungarin in einem Interview zitiert. Fünf Arbeiten der mehrfach ausgezeichneten 51-Jährigen stellt der Galerist dem Publikum in Frankfurt vor, deren Werke er im übrigen bundesweit exklusiv vertreibt.
    "Die Entscheidung, mit ihr intensiv zusammen zu arbeiten, habe ich noch nicht bereut", ist sich Gerd Gerhard sicher: Mária Lugossy stellt seit 1976 Skulpturen in ihrem Heimatland und dem europäischen Ausland aus, seit Ende der 80er Jahre gehört sie regelmäßig zum engsten Kandidatenkreis, wenn es darum geht, an Aufträge für die Erstellung von Denkmälern zu kommen. Ihr Werk "Flamme der Revolution" steht vor dem Parlament der Ungarischen Republik in Budapest, bekannte Arbeiten sind außerdem das "Monument für die Opfer des 2. Weltkriegs" und nicht zuletzt das "Opfer aller Zeiten".

    Lohn für Bemühungen blieb nicht aus

    Der Lohn für ihre künstlerischen Bemühungen blieb nicht aus: 1981 wurde sie mit dem Ferenczy-Béni-Preis ausgezeichnet, 1983 folgte der Munkácsy-Preis und 1997 kam der Nagy-Imre-Gedenkorden hinzu. Mária Lugossy erhielt bereits 1987 als erste Künstlerin den Jutta-Cuny-Franz-Erinnerungspreis, "die vielleicht größte künstlerische Würdigung in meinen Anfangsjahren", wie sie selbst sagt. Für die Buchskulpturen will Gerd Gerhard "vor allem Verleger gewinnen, die sich die Werke im Eingangsfoyer ihrer Häuser gut vorstellen könnten", erläutert er. Dennoch sei er mit relativ geringen Erwartungen nach Frankfurt gereist, weil die Vorbereitung aufgrund einer langwierigen Sportverletzung nicht so intensiv gewesen sei, wie er sich das selbst vorgenommen habe. "Normalerweise sollte man die Kontakte bereits einige Wochen im Vorfeld der Messe knüpfen. Das ist mir leider nicht so gelungen wie das eigentlich notwendig gewesen wäre", bedauert der Berleburger, der sich aber nun umso intensiver um die Nachbereitung kümmern will.

    Berleburger denkt über Leipzig nach

    Den Kundenkreis für die Werke von Mária Lugossy sieht Gerd Gerhard nicht zuletzt in Übersee: "Vor allem Juden in Amerika begeistern sich für die Skulpturen aus Ungarn. Auch wenn man in Anbetracht der derzeitigen politischen Lage feststellen muss, dass der Geldbeutel bei den Amerikanern nicht so locker sitzt, was Investitionen im künstlerischen Bereich angeht." Nichtsdestotrotz - nach den positiven Erfahrungen jetzt in Frankfurt denkt der ehrgeizige Galerist über die Teilnahme an der Leipziger Buchmesse im März 2002 nach.
    Siegener Zeitung

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