Ein
gelungenes Debüt in Frankfurt
Galerist Gerd Gerhard
mit eigenem Stand auf der Buchmesse
Werke von Mária Lugossy
Siegener
Zeitung, 16. Oktober 2001
- Bad
Berleburg/Frankfurt. (vö) Frankfurter Buchmesse, Halle
4.1, Literatur und Kunstbuch, Standnummer R 571: Während es
in der mit Sachbüchern, Romanen und Kinderliteratur gut bestückten
Messehalle 3 überaus hektisch zugeht, wahre Besuchermassen
durch die Gänge geschoben werden, ist dies die ruhigere Variante.
"Die Leute, die hier vorbei kommen, tuen dies ganz gezielt,
wissen genau, wofür sie sich interessieren. Das ist letztlich
das Publikum, worauf ich mich konzentrieren sollte", erläutert
Gerd Gerhard im Gespräch mit der SZ.
"Habe
die richtige Wahl getroffen"
Der Bad Berleburger Galerist ist erstmalig mit einem eigenen Stand
in der Mainmetropole vertreten. "Ich wollte mich zwischen
Buchmesse und Kunstmesse entscheiden. Ich denke ich habe hiermit
die richtige Wahl getroffen", zieht der Wittgensteiner
eine positive Bilanz der Messetage in Frankfurt. Hier ein Gespräch
mit einem koreanischen Verleger, dort ein wertvoller Kontakt zu
einem amerikanischen Professor und nicht zuletzt ein eher zufälliges
Gespräch mit einem Besucher aus dem Siegerland, "der
ein Freund brasilianischer Kunst ist und in Kürze einmal in
Bad Berleburg vorbei schauen möchte".
Skulpturen
aus Glas, Bronze und Stein
Anknüfend an die Buchmesse 1999 mit dem Schwerpunktland Ungarn,
präsentiert Gerd Gerhard in der Messehalle 4.1 "Historische
Bücher" der Budapester Künstlerin Mária
Lugossy. Eine Serie mit aufwendigen und interessant gestalteten
Skulpturen aus Glas, Bronze und Stein. "Ich weine und arbeite
für Sklaven und Gladiatoren, für zerstörte Hoffnungen
und für Gefangene in Lagern und Gulags, für zahllose,
namenlose Erschlagene in Massengräbern. Es kann nicht genug
über sie gesagt werden, deshalb bin ich sicher, dass ich ihre
Bücher zeigen muss, hier und jetzt", wird die Ungarin
in einem Interview zitiert. Fünf Arbeiten der mehrfach ausgezeichneten
51-Jährigen stellt der Galerist dem Publikum in Frankfurt vor,
deren Werke er im übrigen bundesweit exklusiv vertreibt.
"Die Entscheidung, mit ihr intensiv zusammen zu arbeiten,
habe ich noch nicht bereut", ist sich Gerd Gerhard sicher:
Mária Lugossy stellt seit 1976 Skulpturen in ihrem Heimatland
und dem europäischen Ausland aus, seit Ende der 80er Jahre
gehört sie regelmäßig zum engsten Kandidatenkreis,
wenn es darum geht, an Aufträge für die Erstellung von
Denkmälern zu kommen. Ihr Werk "Flamme der Revolution"
steht vor dem Parlament der Ungarischen Republik in Budapest, bekannte
Arbeiten sind außerdem das "Monument für die
Opfer des 2. Weltkriegs" und nicht zuletzt das "Opfer
aller Zeiten".
Lohn
für Bemühungen blieb nicht aus
Der Lohn für ihre künstlerischen Bemühungen blieb
nicht aus: 1981 wurde sie mit dem Ferenczy-Béni-Preis
ausgezeichnet, 1983 folgte der Munkácsy-Preis
und 1997 kam der Nagy-Imre-Gedenkorden hinzu. Mária
Lugossy erhielt bereits 1987 als erste Künstlerin den
Jutta-Cuny-Franz-Erinnerungspreis, "die vielleicht
größte künstlerische Würdigung in meinen Anfangsjahren",
wie sie selbst sagt. Für die Buchskulpturen will Gerd Gerhard
"vor allem Verleger gewinnen, die sich die Werke im Eingangsfoyer
ihrer Häuser gut vorstellen könnten", erläutert
er. Dennoch sei er mit relativ geringen Erwartungen nach Frankfurt
gereist, weil die Vorbereitung aufgrund einer langwierigen Sportverletzung
nicht so intensiv gewesen sei, wie er sich das selbst vorgenommen
habe. "Normalerweise sollte man die Kontakte bereits einige
Wochen im Vorfeld der Messe knüpfen. Das ist mir leider nicht
so gelungen wie das eigentlich notwendig gewesen wäre",
bedauert der Berleburger, der sich aber nun umso intensiver um die
Nachbereitung kümmern will.
Berleburger
denkt über Leipzig nach
Den Kundenkreis für die Werke von Mária Lugossy sieht
Gerd Gerhard nicht zuletzt in Übersee: "Vor allem Juden
in Amerika begeistern sich für die Skulpturen aus Ungarn. Auch
wenn man in Anbetracht der derzeitigen politischen Lage feststellen
muss, dass der Geldbeutel bei den Amerikanern nicht so locker sitzt,
was Investitionen im künstlerischen Bereich angeht."
Nichtsdestotrotz - nach den positiven Erfahrungen jetzt in Frankfurt
denkt der ehrgeizige Galerist über die Teilnahme an der Leipziger
Buchmesse im März 2002 nach.
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