Presseartikel

1996
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    Brücke zwischen den Kulturen
    Ausstellung "Expresion Peru" in der Galerie Klostermühle

    Weserkurier / LOKALES, 17. Mai 1996

    Hude. Mag die Galerie Klostermühle als Ausstellungsort peruanischer Kunst zunächst außergewöhnlich erscheinen, so stellt sie sich bei genauerem Hinsehen als gelungene Räumlichkeit dar: Die regionalgeschichtliche Umgebung der Galerie - das Mühlrad, die Ruinen der ehemaligen Klosterkirche, die Höfe und Felder - dokumentiert ebenso ein Element deutscher Kultur, wie die künstlerischen Arbeiten elf peruanischer Künstler kulturelle Elemente ihrer Heimat zum Ausdruck bringen.
    Die Kultur Perus ist stark geprägt von spiritueller Geschichte, überlieferten Mythologien, Ritualen in Form von Tänzen, Bräuchen und Musik und die Verbundenheit von Mensch und Natur. Der Wunsch, eben diese Spuren der Vergangenheit, die sich bis in die Gegenwart hinein verfolgen lassen, künstlerisch zu verarbeiten, veranlaßte elf peruanische Künstler zu dieser Gruppenausstellung. So gemeinsam ihr Thema auch ist, so unterschiedlich sind ihre Arbeiten. Sie unterscheiden sich durch die gewählte Technik, künstlerische Orientierung, Lebenserfahrung und Charakter. Zu sehen sind Ölbilder, Radierungen, Skulpturen und Keramik, die jeweils verschiedene thematische Schwerpunkte setzen.
    Reynaldo Ari Apaza, der für die Künstlergruppe die Arbeiten vorstellte, fand in der Galeristin Anette Hadrich, in Dorita Stefanowski, Sekretärin des Bremer Honorarkonsuls, und der Organisatorin Margit Reuter engagierte Übersetzerinnen. Sie beschritten einen Weg, um zwischen Künstler und Publikum zu vermitteln. Eine andere (bessere?) Möglichkeit war es jedoch, die Exponate für sich selbst sprechen zu lassen. Wie zum Beispiel das Bild "Dialogo Musical".
    Hier bringt Reynaldo Ari Apaza eine Weltanschauung zum Ausdruck, nach der sich ein Paar aus zwei gegensätzlichen, aber sich ergänzenden Komponenten (links/rechts, oben/unten, hell/dunkel, Mann/Frau, Leben/Tod) zusammensetzt. Erst zusammen bilden sie eine Einheit. Am Beispiel der Siku, einer Variation der Panflöte, wird diese Ur-Ideologie deutlich: Eine Siku allein deckt nicht alle Töne ab, erst in Verbindung mit einer zweiten Siku kann eine vollständige Melodie gespielt werden. In "Dialogo Musical" sind zwei Figuren zu erkennen, die durch solche Sikus kommunizieren und sich auf einer musikalischen Ebene miteinander verbinden. Ausgehend von den gegensätzlichen Begriffsreihen "rechts-männlich-licht" und "links-weiblich-dunkel" ordnet der Künstler der großen, schwarzen Figur, die Frau zu, und der kleineren bunten Figur, den Mann. Die Polarität des Daseins findet sich hier in der Dualität der Geschlechter wieder: Wie die Siku bilden Mann und Frau erst in ihrer Vereinigung eine Ganzheit.
    Gleichzeitig entdeckt der Betrachter den aus der Vorinkazeit überlieferten Mythos vom Kampf zwischen dem Reich des Kondors (der Himmel, das Männliche) und dem der Schlange (die Erde, das Weibliche), der in der Kultur zahlreicher Völker auftaucht. Reynaldo Ari Apaza läßt den Kopf des Kondors mit dem der Schlange sowie dem der weiblichen Figur verschmelzen. Sowohl in dieser Verschmelzung als auch in dem musikalischen Dialog werden die Gegensätze ohne jegliches Werturteil aufgehoben.
    Die Absicht der Künstlergruppe, eine Brücke zu schlagen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sowie ihrer Heimat und der europäischen Kunst, die Fundamente ihres Studiums an der Kunsthochschule in Lima bildete, wird durch das Wechselspiel zwischen den Exponaten und der Atmosphäre der alten Klostermühle unterstrichen. Der verbindende Dialog dieser scheinbaren Gegensätze kann bis zum 23. Juni - mittwochs bis sonntags jeweils zwischen 15 und 18 Uhr, sonntags auch von 11 bis 12 Uhr - entdeckt werden.

    Mixtur aus Surrealismus und Mythologie
    Junge Kunst aus Peru ist bis zum 23. Juni in der Huder Galerie Klostermühle zu sehen

    DELMENHORSTER KREISBLATT / FEUILLETON, 14. Mai 1996

    Hude. "Expresión Perú", unter diesem Etikett stellt eine Gruppe von elf jungen Kunstakademie-Absolventen (1988-90) aus Lima in der Huder Galerie Klostermühle aus. Wobei "Expresión" absolut nichts mit unserem Expressionismus zu tun hat und das, was in diesen Bildern wie Surrealismus erscheint, wahrscheinlich eher auf eine traditionelle Methode bildhafter Vergleiche zurückzuführen ist, die im sogenannten "Alten Amerika" in mythologischen Darstellungen praktiziert wurde, als auf mögliche Annäherungsversuche an europäische Stilmuster. Obwohl ihnen Annäherungen natürlich offenstehen, zumal sie alle schon außerhalb ihres Kontinents, beispielsweise in Nordamerika und Europa, ausgestellt haben und auch diese Ausstellung in weiteren Galerien Mitteleuropas gezeigt werden wird.
    Hier ist alles anders als es unsere Augen - in den üblichen Gemälde-Ausstellungen - gewöhnt sind: Die Bildgründe sind in der Mehrzahl gräulich-bräunlich, mit Weiß verhellt, um einer stumpfen Farbigkeit willen, die ganz zurücktritt, unaufdringlich und verhalten bleibt und selbst die Scheu vor der Leere in Kauf nimmt, um an einer bestimmten Stelle des Bildes eine leichte Melodie zu erzeugen, wie aus einer Panflöte, die über einsame Höhen dahinfließt.
    Der Maler Reynaldo Ari Apaza K'akachi hatte bereits vor längerer Zeit in der Galerie Klostermühle ausgestellt und sich dabei schon als besonders traditionsbewußt gezeigt. Er arbeitet mit überlieferten Musterungen, die er in Bänder unterschiedlicher Breiten einsetzt. Er benutzt Einritzungen, kleine stempelähnliche Kennzeichnungen in seinen Bildern und vor allem durchgängig Stilisierung und strenge Komposition. Er bedient sich charakteristischer Elemente der Kunst seiner fernen Heimat. Ganz anders Cesar Cirito Quintana, der große körperhafte Formen - phantastischen Tierkörpern ähnlich - in seinen Bildern verwendet, unter Verzicht auf Farbreichtum und Tiefe.
    Bei Moises Escriba Sulca stellt sich zunächst Erinnerung ein. Erinnerung an charakteristische Architekturelemente des Surrealismus wie freistehenden Arkaden und an bestimmte Bildgegenstände inklusive der harmonischen Farbklänge von Georges Braque, was sich jedoch bei längerem Hinsehen durchaus in einen selbständigen Ausdruck peruanischer Existenz integriert zu haben scheint. Orlando Medianero Tantachuco geht kräftiger, ungezügelter ans Werk, er kämpft mit Gegensätzen in Farben und Formen, deren Ausgleich er sich durch die Hinzunahme von Collageeffekten eher erschwert als erleichtert.
    Pedro Sotomayor Flores widmet sein Bemühen, wie es scheint, ausschließlich der Erfassung der Transparenz, mit Akribie dekliniert er viele Möglichkeiten des Über- und Nebeneinanders von geometrischen Farbflächen, welch' kühle Objektivierung. Cesar Yauri Huanay kreist zwar - auffallend spezialisiert - um Farbprobleme, nämlich Gegensätze zwischen stumpf - leuchtend, einfarbig - bunt, kalt - warm, was er jedoch mit so viel Poesie zu meistern versteht, daß seine Bilder erheblich mehr als Lehrstücke sind. Neben den Ölbildern dieser Peruaner werden noch einige Farblithographien ihrer Kollegen Alberto Ramos und Julio Segundo angeboten.
    Die Gruppenausstellung ist bis zum 23. Juni mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr, am Sonntag auch von 11 bis 12 Uhr geöffnet.

    Von Krimhild Stöver

    Peruanische Klänge und Pisco zur Einstimmung
    Elf Künstler des Anden-Staates stellen in der Galerie Klostermühle aus - Silberschmuck

    NORDWEST-ZEITUNG (Hude), 14. Mai 1996

    Hude. "Expresion Peru" - so ist die Ausstellung betitelt, die bis zum 23. Juni in dem alten Gemäuer der einstigen "Klostermühle" zu sehen ist. Am Sonnabend fanden sich zahlreiche kunstinteressierte Besucher zur Eröffnung ein. Bei einem Glas Pisco und peruanischer Musik nutzten sie die Gelegenheit, sich mit peruanischer Kunst und Kultur vertraut zu machen.
    Elf Künstler aus dem südamerikanischen Land sind es, deren Werke das Galeristen-Ehepaar Anette und Wolfgang Hadrich in einem "Gesamtpaket" in Hude ausstellt. Es ist die erste Ausstellung in Europa, in der sich die Gruppe der zeitgenössischen Künstler, die zwischen 1988 und 1990 mit Erfolg ihr Studium an der Kunsthochschule "Bellas Artes" in Lima absolvierten, gemeinsam ihre Arbeiten präsentieren.
    An der Organisation der Ausstellung war die in Bremen lebende Diplom-Entwicklungs-Politologin Margit Reuter maßgeblich beteiligt. Sie entdeckte, wie sie sagte, in mehreren Besuchen ihre Liebe zu Peru und fand nach einer Begegenung mit den Künstlern um Reynaldo Ari Apaza ("K'akachi") Interesse an deren künstlerischem Schaffen und Wirken.
    Für den verhinderten Honorarkonsul Artur Schnitger eröffnete die Konsulatsmitarbeiterin Dorita Steffanowski die Ausstellung, zu der "K'akachi" als einziger Künstler in die Galerie gekommen war. Er ist übrigens, wie Anette Hadrich betonte, in Hude kein Unbekannter mehr, von ihm waren schon verschiedene Arbeiten zu sehen.
    Was die elf Künstler aus Peru verbindet, ist der Wunsch, in ihren Werken die reiche kulturelle und spirituelle Geschichte, Elemente aus ihrer Mythologie und die heute noch vorhandene Verbundenheit von Mensch und Natur in Form von Bräuchen, Tänzen und Musik zum Ausdruck zu bringen. Sie tun das in ihren Ölbildern, ebenso wie in Radierungen, mit Skulpturen und Keramik sowie mit Altargemälden.
    Geöffnet ist die Ausstellung, die noch durch grafischen Silberschmuck von Stefan Wilcke bereichert wird, mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr, außerdem sonntags von 11 bis 12 Uhr. Terminabsprachen außerhalb der Öffnungszeiten sind telefonisch unter der Nummer 04408/597 möglich.

    Mit Abstand zur Folklore: Symbole aus den Anden
    Die Künstlergruppe "Expresion Peru" stellt Arbeiten in der Galerie Klostermühle aus

    NORDWEST-ZEITUNG / KULTUR, 11. Mai 1996

    Hude. Elf Künstler aus Peru, die zwischen 1988 und 1990 ihr Kunststudium in Lima absolviert und bisher in Deutschland nicht ausgestellt haben, sind in der Galerie Klostermühle zu Gast und bedanken sich mit schönen Bildern.
    Ihr Abstand zur Folklore ist groß, und der Einfluß europäisch-nordamerikanischer Kunstauffassungen wird spürbar. Dennoch hegen sie Eigenheiten der indianischen Kulturen, auch wenn diese in zeitgenössischer Abstraktion verkleidet werden: Das Kopf-Augenmotiv in Bildern von Reynaldo Ari, Zeichen für Musik, auch erkennbar bei den hockenden Gestalten in Werken von Moises Escriba, die reduziert flachen Figuren in Radierungen von Alberto Ramos, schließlich figurative Ansätze bei Keramiken von Max Silva und die gedrungenen Steinskulpturen von Pablo Yactayo sind Elemente dieser Traditionen.
    Die meist sandig braune Farbigkeit, aus deren Tiefe einzelne Formen mit akzentuierten Tönen in reinem Rot oder Blau hervortreten und die an karge Gebirgshänge und hitzedurchflutete Kämme denken lassen, schweben Urbano Astuyauri und Cesar Yauri vor Augen.
    Andererseits sind etliche Formen der Abstraktion anzutreffen, wie die maskenhaften Züge in einem Geflecht freier Farbsetzungen bei Julio Segundo oder weite, weiche Farbgründe mit Formen, die Stilleben-Charakter haben, in Bildern von Pedro Sotomayor. Fast frei von Gegenständlichkeit ist die in ihrem Zentrum farblich dichte Malerei von Medianero Tantachuco, während die raumlosen Darstellungen von Cesar Cirilo strenge Motive des Meeres vor fast gleichfarbenen Malgründen zu zeigen scheinen, womit ein Bezug zur Archäologie gegeben ist.

    Von Jürgen Weichardt
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2000

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