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Bruno
Pedrosa,
der "Gouverneur der Schönheit"
Die
Kunstlandschaft Brasilien ist mindestens so vielfältig
und spannend wie die in Europa. In der Brasilianischen Botschaft
konnte man sich kürzlich davon überzeugen. Da
stellte das Brasilianische Kulturinstitut gemeinsam mit
der Galerie Gerhard aus Bad Berleburg und der Berliner Glasgalerie
Splinter Bruno Pedrosa vor. Mit Malerei, Schmuck, Wandteppichen
und Murano-Glas.

Mit Intuition in der Gluthitze der Glasschmelze gemalt:
Bruno Pedrosa mit einem seiner Glasobjekte
Foto:
Frank Wegner
Pedrosa
entstammt einer alten Grundbesitzer-Dynastie. Er wurde 1950
im Nordosten des Landes geboren und nach dem Schulabschluss
ging er mit 18 nach Rio de Janeiro, um dort an der Kunstakademie
zu studieren; seit 1990 lebt Pedrosa in Italien, in Bassano
di Grappa. "Nein, die Teppiche knüpfe ich nicht
selbst. Die Idee dazu kam vom Baumwollanbau zu Hause. Denn
im Nordwesten Brasiliens, am Rande des Sertao, hat Teppichknüpfen
Tradition. Ich entwerfe jedes Jahr eine limitierte Edition,
30 bis 40 Stück. Geknüpft werden sie in Brasilien."
Die Gobelins sind zwar traditionell gefertigt, haben aber
moderne Muster: geometrische Formen leuchten in strahlenden
Farben. "Die Malerei ist die Basis all meiner Arbeiten,
die Farbe. Auch beim Glas. Das entdeckte ich erst in Italien.
Die Glasobjekte entstehen da in der Werkstatt einer alten
Glasbläserfamilie." Aber da lässt Pedrosa
nicht nur arbeiten, sondern wirkt selbst mit. Er malt mit
farbigem Glasfluss in die zu blasende Schmelze, und das
intuitiv, denn die Farben sehen in der Glut alle gleich
aus, kommen erst mit dem Erkalten zu Vorschein. Und die
Konzentration der Farbe ändert sich mit dem Blasen
durch die Ausdehnung des Glases. Ist das Objekt produziert,
muss es sechs Tage lang auskühlen. Erst dann können
Bruno Pedrosa und sein Glasbläser das Ergebnis begutachten.
"Von meiner Malerei ausgehend, habe ich in Verbindung
mit der Murano-Tradition etwas Neues geschaffen: Malen mit
der Glasschmelze. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt,
dass alle Farbgläser orange glühen, und natürlich
habe ich eine Vorstellung, wie das Objekt werden soll. Aber
ich bin jedes Mal wieder überrascht, was dann entstanden
ist." Pedrosa gibt keiner der Techniken den Vorzug,
entspannt sich bei einer von der anderen und sieht alles
als eine sich ständig anreichernde Symbiose an. Jorge
Amado, mit dem er befreundet war, bezeichnete Pedrosa einmal
als den "Gouverneur der Schönheit". Bilder
kosten 1.900 bis 6.200 Euro; Teppiche 1.550 bis 1.750 Euro;
Murano-Objekte 2.100 bis 3.600 Euro; Schmuck 520 bis 3.200
Euro.
von
Veit
Stiller
DIE
WELT
(Freitag, 11. April 2003)
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