Maria Lugossy
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Kleines Kunstlexikon
   Presseartikel (press releases)
Fast anderthalb Jahrzehnte sind vergangen, Mária Lugossy (Ungarn)seit ich als erste den Jutta Cuny-Franz Erinnerungspreis gewonnen habe, der vielleicht die größte künstlerische Würdigung in meinen Anfangsjahren war. Die Ehre und die Anerkennung, beides in moralischem und materiellem Sinn, haben mir einen kolossalen Antrieb und Motivationsschub für meine weitere Karriere gegeben. Ich wurde in den Ruhm hineingetrieben, aber auch gezwungen, mich ihm würdig zu erweisen.

Eine nach der anderen konnte ich meine Arbeiten "in die Welt setzen" (Cosmogenisis, Tectite, Existence - in the Making etc.), die unter dem Namen "Genesis" die signifikantesten Stücke einer deutlichen, obgleich frühen Phase meiner schöpferischen Laufbahn, waren. Die Arbeiten dieser Zeit versuchten, das geheimnisvolle Rätsel von menschlicher Existenz und ihren Anfängen auszudrücken. Arbeit auf Arbeit folgte bis zu den neunziger Jahren, als sich ein absoluter Wendepunkt in der Geschichte des späten zwanzigsten Jahrhunderts ereignete. Der Eiserne Vorhang zwischen Ost und West fiel zusammen, frühere geschichtliche Narben wurden wieder aufgerissen, und eine Flutwelle menschlicher Gefühle brach bei den Leuten hervor, die für mehr als vierzig Jahre unter Verschluss gehalten worden waren.

Die Reaktionen von sensiblen Künstlern auf solch große Ereignisse fielen sogar heftiger aus als die Emotionen selbst. Auch mir ging es so. Meine frühe Welt mit ihrem friedlichen Eingeschlossensein in Harmonie mit ihren "Gastgebern" hatte sich dramatisch verändert. Eine neue Reihe düsterer und nüchterner Arbeiten von viel größerer Tragödie wurde ins Werk gesetzt.

Alle jene Dinge, die früher notgedrungen als Tabus im Verborgenen blieben, brachen nun unaufhaltsam hervor ("Opfer aller Zeiten", "Gedenken an die Opfer von ´56", "Kristallnacht" etc.). Inzwischen hatten die historischen Ereignisse die typischen "sozialistischen Realismus"-Skulpturen des totalitären Regimes hinweggefegt, und die Herausforderungen der neuen Zeiten verlangten neue angemessene Schöpfungen.

So hatte ich die Gelegenheit, zunächst das "Monument für die Opfer des 2. Weltkriegs" zu schaffen und in der Folge die "Flamme der Revolution", die ihren festen Platz vor dem Parlament der Ungarischen Republik fand.

1998 habe ich meine Serie "Historische Bücher" begonnen, in der ich mit bildhauerischen Mitteln beschreiben will, was ich für heilig, überragend und wichtig aus Vergangenheit, Gegenwart und für die Zukunft halte. Dies sind - und werden sein - Requieme und Gedächtnismale für jene Millionen namenloser Menschen, die den Märtyrertod starben, jene unbekannten Opfer aller Zeiten, von alter Tyrannei bis zum heutigen Tag. Ich weine und arbeite für Sklaven und Gladiatoren, für zerstörte Hoffnungen und für Gefangene in Lagern und Gulags, für zahllose, namenlose Erschlagene in Massengräbern. Es kann nie genug über sie gesagt werden, deshalb bin ich sicher, dass ich ihre Bücher zeigen muss, hier und jetzt, in dieser Ausstellung.
 

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