Inos Corradins Werk ist auf die Urbilder
von Wesen und Gegenständen, auf Widerschein des Einfachen, des Alltäglichen,
gezielt. Wesen und Dinge treffen sich immer, es genügt unsere poetische
Beobachtung. Vollkommenes Vertrauen prägte die ursprüngliche Haltung
des menschlichen Wesens der Sprache gegenüber: das Zeichen und der
Gegenstand, welcher dargestellt wurde, waren identisch, das Zeichen
war die Nachahmung der Vorlage. Der Künstler bildete genau die beobachtete
Wirklichkeit nach.
Ganz langsam fühlte der Mensch, daß es zwischen den Dingen und den
Namen einen unermeßlichen Unterschied gab. Das war das Ende der
Identität zwischen Gegenstand und Namen und der Beginn der Entwicklung
der Sprache.
In der bildenden Kunst ist das Bild nicht mehr nur die Nachahmung
des Gegenstandes, sondern seine Metapher, der Ausdruck also dessen,
was der Künstler fühlt und nicht nur dessen, was er sieht.
Inos Corradin verhüllt die Wirklichkeit nicht, dennoch sind seine
Figuren keine menschlichen Wesen, sondern szenographische Darstellungen
von Personen, Tieren und Landschaften, wie in einem Theater.
Seine Landschaften sind geometrisch, seine Hügel oft wie Halbkreise,
viele seiner Boote sind die Papierboote von Kindern. Sie alle sind
Inos' Geschöpfe, seine Malerei. Es gibt keine Verbindung mit der
äußeren Wirklichkeit, nur mit der poetischen. Aus seinen Tieren
wachsen Blumen, seine Vögel sind wie japanische origami.
Ex Votos aus dem Nordosten Brasiliens verkörpern brasilianische
Kultur: kleine Köpfe aus Holz, die kurios und delikat zwischen Landschaften
und Seiltänzern stehen. Das Bild erklärt sich aus sich selbst.
Alberto
Beuttenmüller
São
Paulo - Brasilien |