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FAQ


Gianmaria Ciferri (Figur)
"Figur"
Öl auf Holz, 1991
70 cm x 60 cm
Der Zauber der Landschaft bei Gianmaria Ciferri

Es gilt zu fragen, wieso ein Maler, der im Norden der Lombardei geboren ist und in einer nördlichen Stadt wie Brescia aufwuchs, sich so leicht und folgenschwer von der Faszination des meditteranen Farbspektrums in den Bann ziehen läßt? Man fragt sich weiterhin, ob diese Faszination der warmen Farben des Südens, die auf den Betrachter wirken und vorher ja auf den Maler gewirkt haben müssen, eine Form von Flucht darstellen oder ob dies nicht eine bewußte eigene Wahl ist.
Wenn wir in dieser Richtung weiterfragen, sehen wir, daß die Landschaften von Ciferri meist eine Art von Traum visualisieren, eine Form innerer Freiheit, die sich der Künstler im Kontakt mit der Malfläche erarbeitet. Ciferri sagt selbst von sich, daß er, wenn er sich an die Staffelei begibt, nie ein fixes Projekt oder einen vorbereiteten Plan im Kopf hat. Der Künstler ist nicht nur ein exquisiter Kenner der klassisch toskanischen Malerei des 14. und 15. Jahrhunderts, die immer wieder hinter seinen Werken auftaucht, sondern auch den Erscheinungen unserer Zeit gegenüber sehr aufmerksam, seine eigenen Werke aber entspringen seiner Einbildungskraft. Dadurch wird der Künstler modern: Seine Landschaft, in Details oder im Gesamtsujet auf realer Landschaft basierend, ist ein rein inneres, künstlerisches Produkt, ist ideal, eine "Traumlandschaft", in der er Geschichten lebendig werden läßt, sofern die Landschaft selbst nicht schon die Geschichte ist.

Das hieße also: Das Ausgangsmaterial der Erinnerung ist zufällig; es ist die Hand, die sich quasi automatisch bewegt, um einen Anhaltspunkt zu finden. Ist dieser erst einmal gefunden, entwickelt sich das Bild völlig natürlich hinter oder aus dem Kerstück hervor; es entsteht fast, als wäre es etwas Lebendiges, ein Teil des Unterbewußten. Ciferri scheint nichts anderes als dessen Form aufzudecken, die bisher verborgen blieb, im Raum der Malfläche, im Raum einer Leinwand, in den Fasern des Pinsels. Dem Künstler bliebe so der Ruhm des Entdeckers, des Enthüllers des Schleiers, der die Wahrheit verbarg, den Zauber, den Traum und den Mythos.
Also ist bei Ciferri alles ganz einfach erklärbar, im Sinne jenes anderen Mythos vom Maler als dem Medium der Wahrheit? Sind wir sicher, daß es so ist?
Wir können dem Maler selbst nur glauben. Und weil wir ihm glauben, müssen wir seinen Worten folgen: sicherlich ist es richtig, daß Ciferri ohne einen geordneten Plan beginnt. Dennoch sind zwei Elemente in seinem Vorgehen hier hervorzuheben, in erster Linie das Handwerkliche, diese stete Gewohnheit, mit Malmaterial umzugehen, der permanente Kontakt damit, das andere Element ist sein Gedächtnis. Ciferri malt nichts, was er nicht gesehen oder zumindest geträumt hätte - dies trifft im Besonderen auch auf die "Hauptdarsteller" seiner Bilder zu, die Frauen, Phantasiewesen und Projektionen von Männerträumen in einem.
Gianmaria Ciferri (Italienische Villa)
"Italienische Villa"
Öl auf Holz, 1990
60 cm x 80 cm
Gianmaria Ciferri (La Strada)
"La Strada"
Öl auf Holz, 1992
80 cm x 60 cm
Das an dieser Kunst bezauberndste ist die Zurückstellung der Materie, hierin findet Ciferris Werk seine Ausgewogenheit, seine typische und charakteristische Ausdrucksstärke. Mit ihm befinden wir uns schon immer auf der Ebene des Gefühls, in einer offenen Landschaft als Bühne. Diese Landschaften sind dabei keine szenischen Hintergründe für das Handeln des Menschen, sie sind selbst der Kern von Ciferris Erzählung, sind seine Art, uns Emotionen mitzuteilen, gefiltert durch subjektive Erinnerungen und äußeres Kulturerbe. Im Blick dieser Werke bleibt immer, marginal wie eine Anmerkung, wie ein eiliger Vermerk, die Spur eines doch schon fernen Traumes, das Gefühl einer Atmosphäre - wie immer ist alles daran mediterran. Es ist die Kraft, Atmosphäre zu bündeln, die aus Ciferri diesen großen Erzähler macht.
Alles in allem scheint es schwierig, seine Landschaften durch einen Text, durch Sprache lebendig werden zu lassen: Wenn wir wirklich seine charakteristische Qualität ergründen wollen - und das war eigentlich mein Anliegen bei dieser Besprechung - finden wir weitere Antworten zu den mediterranen Träumen in seiner Malerei selbst.
Noch einmal aufzugreifen ist Ciferris Liebe zur toskanischen Malerei, die er in seinen Werken zu vergegenwärtigen sucht. Offentlich wird das in seiner exakten Wiedergabe der Häuser, der Hügelkuppen, der knorrigen Mittelmeerpinien. Die Hügel werden durch einen hellen Streifen, die Straße, durchkreuzt, die zurückliegenden Ebenen sind durch die regelmäßigen Hügelformationen perspektivisch verschoben, die kleinen Dörfer wirken wie an diese Hügel "angeklebt". Das ist gar keine umfassende Studie der Landschaften Ciferris, sondern resultiert lediglich aus der Betrachtung der Arbeit
"La Strada", einem, wie mir scheint, für Ciferris jüngste Auffassung beispielhaften Werk.
Wichtig auch sein Bezug zur Geschichte der Malerei, die Ciferri so gerne als Bestandteil seiner eigenen Bildwelt integriert sehen möchte: Auch - und gerade - ihre Zweidimensionalität hat etwas Antikes an sich. Der Verweis auf die klassische Malerei allein reicht aber nicht aus, seine Ikonographie zu erklären, hier verbirgt sich mehr. So muß man an diesem Punkt die großen Bewegungen des Realismus ins Gedächtnis zurückrufen, die zwischen den beiden Weltkriegen die italienische, aber auch, im Ganzen, die europäische Malerei beeinflußt haben. Hier wurden viele für Ciferri so entscheidende Begriffe wie "plastischer Wert" oder "neue Objektivität" geprägt, oder etwa Bontempellis Konzept des "phantastischen Relismus", der seine größten Erfolge feierte, als Ciferri gerade geboren wurde. Gerade um diese Bewegung geht es, um eine Malerei, die doch modern sein will, ohne das Antike zu verlieren. Ciferri weiß, daß Modernität nicht eine Gabe ist, die an ein bestimmtes Element gebunden ist, wie eben auch eine Demokratie jeden Tag neu erobert werden muß und nicht einmal für immer gegeben wird. Auch Modernität, Aktualität entwickelt sich streng historisch.
Ciferris Realismus bezieht oder bezog sich nie auf den
"Fortschrittsglauben" des Italien von 1935, seine Erfahrungen sind völlig andere: Gerade diese Widersprüchlichkeiten der Zeit zeigen, wie wichtig und fruchtbar es sein kann, die Gegenwart durch die Erinnerung zu interpretieren. Der Vergangenheit Aufmerksamkeit zu schenken, ist nicht nur eine Hommage an Vergangenes, es ist ein vielversprechender Weg für einen zeitgenössischen Künstler, bedeutet doch die Vergangenheit anzunehmen, die Gegenwart gleichzeitig einmal ausklammern zu können, zu relativieren.
Gianmaria Ciferri (Italienische Hügel)
"Italienische Hügel"
Öl auf Holz, 1992
80 cm x 60 cm
Ciferris kunstrelevante Vergangenheit ist eine Kategorie des Geistes: Hier fließen die Erinnerungen eines Kindes, die eines Heranwachsenden ein, der zwischen Ravenna und der Toskana davon träumte, Maler zu sein.
Die Welten des Realen, der Kultur, der Erinnerung lassen eine Zauberlandschaft entstehen, die jene Beschränktheit der Zweidimensionalität bewußt ebenso auslebt wie die Dimension des Volumens einer Malerei späterer Hochkultur. Es liegt eben im Wesen der Erinnerung, alles zu einer strikt äußerlichen Dimension abzuflachen, während der Realismus zwischen den Kriegen die plastischen Werte wiedererstehen ließ, um den Dingen Körper und Substanz wiederzugeben. Und haben bei Ciferri nicht sogar die Wolken ihre körperliche Präsenz, ihr Volumen zurückgewonnen?
Ohne dabei die Faszination einer antiken Miniatur zu verlieren, gelingt es Ciferri, jene Modernität zu erlangen, die der Malerei vor einem halben Jahrhundert diesen Sensus der Rückkehr zur Klassik gab. Dabei produziert Ciferri in seiner versöhnenden Rückkehr eine Harmonisierung der Gegensätze.
In seinem Werk findet sich auch jene spezifische Unruhe, die, wie unter einer Schicht verborgen doch an die Oberfläche will: Ein durch den Geist geschaffenes Bild ist eben auch ein Spiegel des Bewußtseins des Künstlers, der, wie Ciferri, viel über die Gegenwart weiß, es ist Aufnahme, Bestätigung und Ablehnung des präsent Gewußten und ist doch gestaltet, durchdrungen vom Wunsch, optimistisch zu sein. Dies ist wohl letztendlich Ciferris Botschaft: Die Leidenschaftlichkeit seiner ausgereiften Malerei erschafft einen Zauber der Landschaft, in der die Botschaft der Liebe weiterbestehen kann.

Mauro Corradini, Februar 1993

 

"Die Gemälde eines großen italienischen Künstlers
auf dem größten und luxuriösesten Schiff der Welt"

Stellen Sie sich ein Kreuzfahrtschiff vor, das größte auf der Welt und von Fincantieri Italiana für die Gesellschaft Carnival Cruise Lines aus Miami gebaut, verblüffend in seinen Ausmaßen von fast 300 Metern Länge und 40 Metern Breite. Ausschweifender Luxus für das Schiff mit dem prophetischen Namen "Destiny": 1300 Kabinen in unvergleichbarer Qualität, 20 Traumsuiten mit Bar, Aufenthaltsraum und Iacuzzi-Wanne, in der Muskeln und Geist Entspannung finden können. Dieses Schmuckstück der Technik und des italienischen Geschmacks wird Ende 1996 fertiggestellt. 20 Suiten haben wir gesagt. Was wären sie schon, würde man nur auf den reinen Komfort, der sicherlich wichtig ist, jedoch nicht das Gemüt anspricht, achten. Daher das Bedürfnis, die Räumlichkeiten mit großen Gemälden zu verschönern. Welcher Künstler ist in der Lage, diesen heiklen Auftrag auszuführen? Gianmaria Ciferri, der international bekannte Maler aus Brescia, der mit seinen unverkennbar weiblichen Figuren und Landschaften von bitterer Süße und mit seinem Gefühl für Farben und seinen einzigartigen Visionen bezaubert.
20 Gemälde, die nach den auf der halben Welt geltenden Vorschriften für Kreuzfahrtschiffe auf feuerhemmendes Holz gemalt  worden sind, werden ein lebendes und fahrendes Zeugnis der italienischen und Brescianer Kunst sein. Wie bei allen Angelegenheiten, die das Leben betrifft, stand am Anfang der Wahl ein günstiger Zufall. Was die Kreuzfahrt betrifft, ist Carnival die wichtigste Gesellschaft auf der Welt. Einer ihrer Kapitäne hat den Brescianer Künstler bei Ausstellungen in Venedig und Florenz kennengelernt.
Ihm haben die Bilder so außerordentlich gut gefallen, daß er den Präsidenten von Carnival auf sie aufmerksam gemacht hat. Dieser hat nach Einsicht der Kataloge nicht gezögert, den wichtigen Auftrag der zwanzig großen Gemälde für die Suiten, in denen, wie leicht vorherzusehen ist, der internationale Jet-Set wohnen wird, Ciferri anzuvertrauen.
Eine außergewöhnliche Visitenkarte für den Künstler Ciferri, aber auch die Bestätigung, daß die italienische Kunst in der Welt anerkannt und das sie von raffiniertem Geschmack ist. Ciferri fügt seine persönliche Note hinzu; mit einer Kunst, die den beschaulichsten Teil unseres Gemütes erreicht, ohne die Verworrenheit zu erreichen, die mehr ratlose Fragen als Empfindungen aufkommen läßt.

Gianmaria Ciferri

Vielleicht ist eben diese unmittelbare Empfindung der Grund, aus dem die Werke des Brescianer Künstlers gewählt worden sind.
Ciferri ist schon an der Arbeit. Mit der Zurückhaltung jenes Künstlers, der malen "muß", um Abgabetermine und Verträge einhalten zu können. Es ist ja bekannt, daß es schwierig ist, Termine und Regeln jemandem aufzuerlegen, der dem Schaffen eines Kunstwerks auf Eingebung, Laune und Gemütszustand vertraut. Dennoch ist die Gelegenheit der Destiny einzigartig, wie die Werke Ciferris sowohl was ihre Aufstellung, die Personen, die sie bewundern werden, als auch den internatinalen und entschieden weitläufigen Geist betrifft, erreicht haben. Man könnte direkt sagen: die "Destiny" ist ein wenig das Schicksal Ciferris.
Biographie von Gianmaria Ciferri (Italien) Serigraphien von Gianmaria Ciferri (Italien)

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