| Arlindo Arez | Metamorphosen |
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In
den Holzskulpturen von
Arlindo Arez ist noch die enge Verwandtschaft zu den Bäumen spürbar. Eine innere Bindung, die von dem Bildhauer bewußt gewahrt wird. |
| Im
Mittelpunkt seines Werks stehen die erotischen Frauen-Torsos. Sie reizen
zur Berührung, die weichen, fließenden weiblichen Rundungen
der Taille, der Brüste, der Schultern. Und Arlindo Arez hat nichts
dagegen, wenn der Betrachter seine Holz-Skulpturen berührt. Es
ist Teil des Dialogs, den jeder für sich mit den Skulpturen von
Arlindo eingehen kann. Und dennoch sind diese Figuren eher singulär.
Sie sind nach innen gewandt, befinden sich im Gleichgewicht mit sich
selbst, und damit auch mit der Welt. Nichts, so scheint es, kann sie
stören. Und damit spiegelt sich in den Skulpturen von Arlindo im
kleinen auch etwas von dem wider, was die großen, alten Bäume
ausstrahlen. Sie ruhen in sich selbst. Arlindo arbeitet seine Figuren aus dem Holz heraus und nutzt dabei die ursprüngliche Form des Holzes und seine Maserung. Oftmals erinnern die Baumstämme mit zwei gegabelten Ästen schon in ihrer unbearbeiteten Form an jene Frauenkörper von Arlindo, die ihre Arme nach oben strecken, in einer Geste, als wollten sie sich ausdehnen in den Raum und in den Himmel, wie die Äste der Bäume. Eine Geste der Freude, des Jubilierens. Arlindo Arez, heute 41 Jahre alt, war lange Zeit hauptberuflich Schreiner. Erst vor einigen Jahren hat er mit der künstlerischen Arbeit begonnen. Die Skulpturen entstehen genauso wie die Möbel in der großen Schreinerwerk-statt neben der Quinta dos Portos in Alcalar, wo Arlindo mit seiner Frau Natalia und seinem dreieinhalbjährigen Sohn Leandro seit 18 Jahren wohnt. Neben Symposien und Workshops sind hier in naher Zukunft auch eine Dauerausstellung und in fernerer Zukunft auch ein Skulpturengarten geplant. Im Januar hatte Arlindo mit einer Ausstellung in der Galeria Municipal da Amadora seine größte Einzelausstellung, mit 38 Werken, darunter auch die kühn-abstraktere Serie "Engrenagens Perdidas". Zuvor wurden die Skulpturen mehrfach in verschiedenen Orten der Algarve und auf Madeira gezeigt. Im Ausland waren sie unter anderem in Wien, Bad Berleburg und bei einem Skulpturen-Symposium in der Schweiz zu sehen. Die erste Skulptur, die der Bildhauer gefertigt hat, stellt eine Frau dar, die gerade entbunden hat, mit einem gewölbten Bauch und einem großen Loch an der Stelle des Bauchnabels. Sie ist archaischer als die heutigen Skulpturen. Und ein kraftvoller Ausdruck des künstlerischen Aufbruchs. Die unverkäufliche Figur steht in einer verborgenen Ecke des Wohnzimmers, unauffällig für Besucher. Er habe sie ohne jeglichen Einfluß von außen geschaffen, rein aus der Seele, erzählt Arlindo. Es ist auch eine Figur, die seinem Wunsch nach einem Kind zum Ausdruck verholfen hat. |
![]() "SINCOPE" aus der Serie Engrenagens Perdidas |
Neben
den sinnlich-erotischen Frauen-Torsos hat Arlindo Arez auch Figuren geschaffen,
die Mütterlichkeit, Schutz und Geborgenheit thematisieren. Und neben
nahezu sinnlich anmutenden Christus-Figuren schuf Arlindo auch den "Homo
sapiens", der seine eigene, besondere Entstehungsgeschichte hat. Eine
strenge, asketische Figur, die an einen Mönch erinnert. Arlindo arbeitete
an dieser Figur, als er plötzlich Abscheu gegen sie verspürte
und nicht mehr weiterarbeiten konnte. Er stellte sie fort, vergaß
sie, fand sie eines Tages wieder und verspürte den Wunsch, sie zu zerschlagen.
Er gab diesem Wunsch nicht nach, vollendete die Figur aber auch nicht. Erst
Monate später nahm er sie wieder wahr, wie sie auf dem Boden lag, und
plötzlich wußte er, wie er sie vollenden mußte. Ein Prozeß
der inneren Aussöhnung. Heute steht die Skulptur ebenfalls im Wohnzimmer an einem zentralen Platz, ebenso wie "Grito", ein materialisierter Ausdruck des Schreis, der in die Welt fließt und die Stille zerreißt. Doch dem Schrei, wie Arlindo ihn geschaffen hat, haftet nichts Zerstörerisches, Disharmonisches an. Es ist eher ein Ausdruck der Befreiung. Und er erinnert an eine Baumwurzel. Arlindo Arez verwendet nur bereits geschlagenes Holz, das er zumeist im Wald findet. Dies ist Teil seiner Philosophie. Mit seiner künstlerischen Bearbeitung verleiht er dem Holz einen neuen Sinn. Und zugleich leben die Bäume in den Skulpturen fort. ESA 2/99 |
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